RSS

Schlagwort-Archive: Gemeinschaft and Gesellschaft

Brief eines Hartz IV-Kindes

an Frau Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

Freitag, 13.11.2015. Eifel.

Liebe Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, heute möchte ich Dir einen Brief schreiben, weil es meiner Mama ganz schlecht geht. Ich darf nicht sagen wie ich heiße und wo ich wohne, denn meine Mama würde das ganz sicher nicht gut finden. Ich darf auch nirgendwo erzählen, das wir Hartz sind, weil Papa nicht mehr da ist: das sieht Mama nicht so gerne. Das braucht sie mir aber auch gar nicht zu sagen, denn ich weiß ja selber, wie die Menschen so komisch werden, wenn sie das hören. Der Daniel hat sogar mal gesagt, das sein Papa meinte, solche wie mich sollte man in LAGER sperren wie früher, aber der Daniel ist ja auch doof. Ich weiß auch nicht, was „solche wie ich“ sind, ich will doch nur sein wie alle anderen auch. Aber deshalb schreibe ich Dir ja auch, liebe Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Weißt Du – ich BIN ja nicht dumm. Das sagen auch die Ärzte. Meine Lehrerin hat meine Mama mal zu Ärzten geschickt, weil ich so „komisch“ bin, die haben dann getestet, wie klug ich bin: ich habe einen „IQ“ von 150 für rechnen – und da haben die Recht: rechnen kann ich wirklich gut. Ich glaube auch nicht, dass ich komisch bin, wir haben nur nicht so viel GELD wie die anderen. Ich kann nicht jeden Tag wie die anderen was am Kiosk kaufen, da kostet eine kleine Flasche Limonade zwei Euro, aber meine Mama darf für mich am Tag nur 3 Euro ausgeben. Sie hat mal gesagt, dass Du für einen der Hunde bei der Polizei 6 Euro pro Tag ausgibst, damit es dem gut geht und er gesunde Sachen essen kann. Liebe Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel: ich würde auch gerne so gesunde Sachen essen, nicht immer nur Nudeln mit Tomatensauce. Gut, die esse ich sehr gerne, aber ich esse auch gerne Äpfel, Zitronen, Apfelsinen. Ich will auch schon gar kein Eis mehr und keine Schokolade. Eine Kugel Eis kostet bei uns im Dorf einen Euro, wenn ich zwei Kugeln nehme, dann wird Mama wieder ganz traurig.

Das erste Schuljahr war ich auch noch nicht „komisch“, die Eltern waren nett zu mir, die haben mir sogar einen ganzen Sack Schuhe geschenkt, weil meine so alt aussahen. Ich fand das ganz toll, aber meine Mama nicht, weiß auch nicht, warum. Vielleicht, weil das alle gesehen haben. Sie fand das auch nicht toll, dass sie in dem Geschäft, wo sie die Sachen für uns immer so billig kauft, weil die andere schon mal an hatten, eine Hose bekommen hat, die von Lea aus meiner Klasse war; die Lea hat ganz fürchterlich laut gelacht, als sie das gesehen hat. Seitdem spielt sie auch nicht mehr mit mir. Ich hatte auch Freunde in der ersten Klasse: die Lara, den Michael, die Klara, den Mustafa, den Sebastian; bei denen war ich auch zum Geburtstag eingeladen. Das war immer toll, wir waren im Kino, im Schwimmbad, im Spieleparadies in der Nachbarstadt; aber als wir dann bei uns Geburtstag gefeiert haben, waren die anderen Kinder nicht so glücklich;42-15218027 dabei hat sich meine Mama so eine Mühe gegeben. Die anderen Kinder wollten bei uns Playstation und X-Box-Spiele spielen, hatten extra Spiele mitgebracht. Das macht auch viel Spaß, weil man da zusammenspielen kann, aber wir haben sowas nicht. Seitdem gehe ich zu keinen Geburtstagen mehr, ich will da auch gar nicht mehr hin. Ich weiß jetzt, dass wir nicht so viel GELD haben wie die anderen und da will ich nicht, dass meine Mama Geld für Geschenke ausgibt oder große Partys, weil ich weiß, dass sie dann abends wieder leise weint. Read the rest of this entry »

Werbeanzeigen
 

Schlagwörter: , , , , , , , , , , ,

Nimm mit,halts maul und fress dei suppen

Nimm mit,halts maul und fress dei suppen

Rund um Hartz IV haben sich alle möglichen Nutznießer der sozialen Misere in diesem Lande breitgemacht: Fortbildungseinrichtungen, private Arbeitsvermittler, Jobcenters, etwa 18.000 Leiharbeitsfirmen, Rechtsanwälte und Wohlfahrtsunternehmen. Es gibt Hartz-IV-Supermärkte, Hartz-IV-Kleiderkammern und Hartz-IV-Tafeln.

In den Medien wird viel über die Helfer und Initiatoren von Tafeln berichtet. Der Blick aus Perspektive der Nutzer ist relativ neu. Svenja Fischbach hat sich im Dezember 2013 und Januar 2014 von sechs Frauen und vier Männern im Alter von 35 bis 65 Jahren erzählen lassen, wie sie den Gang zur Tafel erleben. Eine wollte das nach Leitfaden geführte Interview nicht in ihrer Wohnung führen, aus Angst, die Nachbarn hörten zu.

Anlass für das Empfinden sozialer Scham sei die „Bedürftigkeitsprüfung“, sagt Fischbach. Nutzer müssen ihren Hartz-IV- oder Rentenbescheid vorlegen, um Essen zu bekommen.

„Es ist etwas ganz anderes als im Supermarkt einkaufen zu gehen“, berichtet Fischbach. Die Menschen müssen meistens in der Warteschlange anstehen, mal eine halbe Stunde, mal bis zu zweieinhalb Stunden lang. Dabei kann es vorkommen, dass sie im Regen stehen oder auf Toilette müssen.

Die Reihenfolge werde mit Nummern geregelt. Kommen die Tafel-Besucher dann an die Reihe, dürften sie nicht selbst auswählen, sondern bekämen von den Helfern Nahrungsmittel in die Tasche gepackt.

Das ginge „nicht immer nur unbedingt feinfühlig zu“, die Sachen würden „dir reingeworfen, du kannst gar nicht fragen oder irgendwie gucken“, berichtete man Fischbach. Es wären schon mal Dinge dabei, die sie aus gesundheitlichen Gründen nicht essen können, oder es gebe drei Wochen nur Wirsingkohl.

Die Helfer könnten auch bestimmen, wer wie viele Lebensmittel erhält, berichten die Nutzer. Einer hatte den Eindruck, er werde nicht gemocht und bekomme deshalb weniger. Ein anderer berichtet, er bekomme „mal einen Joghurt mehr“. Von den Nutzern werde „Bescheidenheit, Demut und Dankbarkeit erwartet“.

Die Ehrenamtlichen wurden Fischbach teilweise als reserviert und unfreundlich beschrieben. Und als eine Nutzerin eine Tafel aufsuchte, die die Vergabe anders handhabt, und dort selbst Obst und Brot aus Körben auswählen durfte, spricht sie vom „Schlaraffenland“.

 

Schlagwörter: , , , , , ,

Freihandelsfalle TTIP

Worum geht es?

TTIPMit einem umfassenden Pakt wollen EU und USA eine transatlantische Freihandelszone erschaffen. Verkauft wird uns die geplante Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) als gigantisches Wachstumsprogramm – bezahlen müssen es die Bürger in EU und USA mit einem beispiellosen Abbau von Produktionsstandards, Verbraucherschutz- und Arbeitnehmerrechte, Lohnniveaus, Umwelt- und Sozialauflagen, ja sogar unserer demokratischen Rechtsstaatlichkeit. All diese „Handelshemmnisse“ würden in den geheimen Verhandlungen beseitigt.

Quelle – www.attac.de.

 

Schlagwörter: , , , , , , ,

»Wer keine Lobby hat, hat nichts zu sagen«

Gespräch Mit Martin Singe.

Über Grund- und Bürgerrechte in der Bundesrepublik, das oft mäßige Interesse an ihnen und Muster für Pegida

Ihre Organisation macht sich seit Jahrzehnten für Grund- und Freiheitsrechte stark. Wenn Sie Bilanz ziehen, wie würden Sie den Zustand der Bundesrepublik in Sachen Bürgerrechte und Demokratie charakterisieren?

scheindemokratie-der-brdDie Bürgerrechte sind in der Geschichte der Republik zunehmend eingeschränkt worden. Staatsschutz kommt regelmäßig vor Bürgerrechten, beispielsweise durch die Grundgesetzverunstaltungen mit Wehrverfassung, Notstandsverfassung, Verstümmelung des Asylgrundrechts, Überwachungs- und sogenannte Antiterrorgesetzpakete. Das Asyl- und Ausländerrecht ist eine Katastrophe: Die eigentlich universell geltenden Menschenrechte werden durch nationalstaatliche Regelungen außer Kraft gesetzt. Gerade die neuesten zum Asylrecht werden Abschiebungen erleichtern. Noch schneller sollen noch mehr Menschen in Abschiebehaft genommen werden können. Sogenannte gute und vermeintlich unechte Flüchtlinge werden auseinanderdividiert. Gerade beginnen Abschiebungen von Roma und Sinti in die als angeblich sicher neu eingestuften Herkunftsländer in Osteuropa. Ein anderes Beispiel: Unser Grundrechtekomitee setzt sich seit seiner Gründung für die Rechte der Gefangenen ein. Seit vier Jahren führen wir eine Kampagne zur Einbeziehung der arbeitenden Gefangenen in die gesetzliche Rentenversicherung. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit und sogar vom Gesetzgeber bei der Strafrechtsreform 1976/77 beschlossen. Aber seitdem wird gemauert. Es sei zu wenig Geld dafür da, klagen die Länder unisono seit über 35 Jahren. Wer keine Lobby hat, hat nichts zu sagen, und dessen Grundrechte können beschnitten werden. So geht herrschende Politik. Will man dagegen ankämpfen, ist das Bohren dicker Bretter nötig.

Zu Ihrer Frage nach dem Zustand der Demokratie in unserem Land: Die herrschende Politik betreibt ein Akzeptanzmanagement. Angeblich seien wir alternativlos den Folgen der kapitalistischen Globalisierung und den Vorgaben aus Brüssel ausgesetzt. Wirtschaftsdemokratie: Fehlanzeige! Die Demokratie leidet vor allem auch an Ausgrenzung durch soziale Ungleichheit. Die sozialen Menschenrechte, die in der Regel nicht einklagbar sind, werden stark vernachlässigt. Politische Partizipation setzt aber Gerechtigkeit voraus. Beteiligungsmöglichkeiten von unten müssen ausgebaut werden. Die in der repräsentativen Demokratieform verbleibenden Grundrechte der Meinungs- und Versammlungsfreiheit werden durch staatliche Überwachung und polizeiliche Repression stark eingeschränkt. Freiheit und Gleichheit bleiben unsere uneingelösten Forderungen. Um die sozialen und politischen Rechte müssen die Bürgerinnen und Bürger immer wieder kämpfen und Erreichtes verteidigen.

Die Mehrheit der Bevölkerung macht sich jedoch augenscheinlich nur mäßig Gedanken über die Verfasstheit der bundesdeutschen Gesellschaft. Wo liegen die Gründe?

Einerseits sind gesellschaftliche Gruppen von Repression und Ausgrenzung sehr unterschiedlich betroffen. Die nicht direkt darunter Leidenden werden vom Konsumismus weitgehend ruhiggestellt – Brot und TV-Spiele. Natürlich gibt es auch die große Gruppe derjenigen, die genug verdienen und die mit ihrer Lebenssituation zufrieden sind. Sie spüren keinen Druck, gegen den sie sich wehren müssten. Bei ihnen bedürfte es stärkerer Empathie, tieferen solidarischen Mitempfindens mit den Ausgegrenzten und Unterprivilegierten. Diese Tugenden bleiben allerdings in der heutigen Wettbewerbsgesellschaft, in der jeder sich selbst der Nächste ist, weitgehend auf der Strecke. Und doch gibt es Solidarität. Und doch wehren sich viele Betroffene, wenn ich an die Demonstrationen von Flüchtlingen und für sie denke, an das Soli Netzwerk für Flüchtlinge, an die Neugründung einer Gefangenengewerkschaft, an »Blockupy«- und G-8-Proteste, an die gegen Überwachung, gegen die geplanten sogenannten Freihandelsabkommen, an Kundgebungen für den konsequenten Atomausstieg, gegen neue Kriegsgefahren und Rüstungsexporte.

Und trotzdem: Könnte ein Grund für mangelnden Widerstand aus der Bevölkerung vielleicht auch darin liegen, dass es – im Gegensatz etwa zu den 1970er und 1980er Jahren – kaum mehr linksliberale Intellektuelle gibt, die das Wort ergreifen und politische und gesellschaftliche Diskussionen befördern?

Es gibt auch heute linksliberale Debatten unter Intellektuellen, aber weitgehend in Fachjournalen und oft zu wenig vermittelt. Die Verschulung der Universitäten hat negative Konsequenzen für die Spielräume, die politisches Engagement und die dazugehörigen Debatten benötigen. Andererseits haben sich Wissen und Austausch über die neuen Medien so verbreitert, dass herausgehobene Leitfiguren weniger bedeutsam sind. Im Kontext von Aktionen und bei Fachkonferenzen der sozialen Bewegungen werden wichtige Debatten breit und strategisch-handlungsorientiert geführt.

Offensichtlich existiert eine Distanz zwischen Teilen der Bevölkerung und den Herrschenden. Wie konnte es etwa rechten und anderen reaktionären Kräften gelingen, diese Entfremdung für sich zu nutzen und Teile der Bevölkerung – zum Beispiel im Rahmen der Pegida-Proteste – sogar zu Demonstrationen zu mobilisieren?

Die Einheizer von Pegida haben nur das Muster der politisch vorherrschenden Interpretation wiederholt: Es gebe zu viele Ausländer, ergo sei die Verteilungsmasse zu gering, ergo gehe es vielen deutschen Bürgern schlechter. Statt die wirklichen Ursachen sozialer Ausgrenzung und Verarmung zu analysieren und gegen die Reichtums Konzentration mit sozialen Protesten anzugehen, wird berechtigte Wut auf die abgelenkt, denen es noch schlechter geht. Ein bekannter, billiger sozialpsychologischer Mechanismus, der leicht genutzt werden kann. Dagegen kann nur Aufklärung über die wirklichen Ursachen der Verarmung und der Sozialkürzungen helfen.

Wie würden Sie das Gros der Pegida-Anhänger politisch charakterisieren?

Die Pegida-Anhänger im Osten, die Tausende auf die Straße bringen konnten, entstammen offensichtlich der bürgerlichen Mittelschicht. Viele von ihnen befürchten oder erleben ihren sozialen Abstieg, leben heute von Hartz IV oder Minirenten, obwohl sie ihr Leben lang oft hart gearbeitet haben. Sie fühlen sich als Verlierer der Wohlstandsgesellschaft und von der Politik nicht ernstgenommen. Sie fallen leicht auf die billigen Erklärungsmuster und rassistischen Feindbilder rein, wie »Ausländerschwemme«, »Asylantenflut«, »Überfremdung«, die von den Pegida-Machern verwendet werden. Im Westen waren meist nur wenige hundert rechte Demonstrierende auf der Straße, vor allem altbekannte Neonazis und Rassisten, Hogesa-Leute, Mitglieder aus den rechten »Pro«-Parteien. Sie wollten die Pegida-Bewegung nutzen, um ihre bedeutungslos gewordenen eigenen Aufmärsche neu aufzuwerten.

Die politische Linke wurde von den Aufmärschen dieser rechten Wutbürger kalt erwischt. Warum?

serveImageDas kann man so nicht sagen. Es handelt sich um bekannte Einstellungen, die von herrschender Politik und Massenmedien schon lange bedient werden. Diese wurden nun in neuer Form öffentlich geäußert. Die Pegida-Demos wurden zudem medial extrem aufgewertet und hochgeschrieben. Die Anti-Pegida-Demonstrationen mit Zehntausenden Beteiligten zeigen, dass es eine große Wachsamkeit gegen neofaschistische Tendenzen und Ausländerhass gibt.

Die Pegida-Bewegung hat ihren Zenit längst überschritten.

Aber trägt nicht auch die Linke eine Verantwortung für die relativ große Teilnahme an den Pegida-Aktionen? Schließlich wurde radikale Kritik am Kapitalismus und an den ihn unterstützenden Medien in den letzten Jahren zunehmend vernachlässigt… Read the rest of this entry »

 

Schlagwörter: , , , , , ,

Falsche Regelsätze Hartz-IV-Empfänger bekommen zu wenig

 

Falsche Regelsätze: 4,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger bekommen zu wenig – Hartz IV – FOCUS Online – Nachrichten.

obdachlos

Wie viel Würde braucht der Mensch

Der Flughafen Hamburg hat im vergangenen Jahr 97 Strafanzeigen gegen Flaschensammler gestellt, die gegen das dort geltende Sammelverbot verstoßen haben. Das haben wir beim Hamburger Straßenmagazin Hinz&Kunzt im Januar herausgefunden, nachdem einer unserer Verkäufer mit so einer Anzeige zu mir kam. Ich bin Sozialarbeiter bei Hinz&Kunzt und war schockiert, dass nun auch mit Strafanzeigen gegen Arme vorgegangen wird.

PETITIONSBRIEF AN: Flughafen Hamburg

Ziehen Sie die Anzeigen gegen Flaschensammler zurück und erlauben Sie das Pfandsammeln im Flughafen! 

zur PETITION

 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

Streit um Hartz-IV-Sanktionen

»Reform«  aus der Dunkelkammer

Bundesregierung verschiebt Gesetzesänderung und pocht auf Geheimhaltung

Die Umsetzung der ursprünglich für April geplanten Hartz-IV-»Reform« alias »Rechtsvereinfachungen im Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II)« wird verschoben. Ein neuer Termin könnte der bevorstehende Sommer sein. Zu den Gründen dafür zählt offenbar ein seit Monaten andauernder Streit zwischen der SPD und der CDU um die Ausgestaltung des Sanktionskatalogs.

Was die Koalition hinter verschlossenen Türen für gut sechs Millionen Betroffene austüftelt, will das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) weder der Opposition noch der Presse verraten. Auf Nachfrage von jW verwies der BMAS-Sprecher Christian Westhoff am Montag auf die Regierungsantwort zu einer Anfrage der Linksfraktion vom Dezember. Darin heißt es, man sei

»nicht verpflichtet, über nicht abgeschlossene interne Willensbildungsprozesse Auskunft zu geben«

quo vadis deutschland

Von dieser Einigung sind Linke und Grüne ausgeschlossen, wie Vertreter beider Parteien am Dienstag gegenüber jW kritisierten. Ihre Anträge zum Thema sollten eigentlich im Februar diskutiert werden. Nun sei die Anhörung auf den Juni verschoben worden, war aus dem Büro der Grünen-Abgeordneten Brigitte Pothmer zu erfahren. Deren Partei fordert ein »Sanktionsmoratorium«, das neue Richtlinien für die fragwürdige Erziehungsmethode erarbeiten soll. Ganz ohne Strafen gehe es nicht, heißt es sinngemäß im Antrag, aber Existenzminimum und Teilhabe seien, anders als jetzt, sicherzustellen. Die Linksfraktion verlangt eine komplett sanktionsfreie Mindestsicherung. »Vermutlich will die Bundesregierung dazu einen Änderungsantrag formulieren«, mutmaßte Ronald Blaschke, Sprecher von Linkenchefin Katja Kipping. Er rügte die Geheimhaltungspraxis der Koalition.

»Wir erfahren nichts, es ist auch möglich, dass alles wieder umgeworfen wird«, so Blaschke. Read the rest of this entry »

 

Schlagwörter: , , , , , , , , ,

2013 gab es fast 350.000 Stromsperren!

Die gestiegenen Strompreise in den letzten Jahren treiben viele Millionen Verbraucher an den Rand der Existenz. Können die Stromkosten nicht mehr beglichen werden, sind Energieversorger berechtigt, die Lieferung abzustellen, mit der gravierenden Folge, dass Betroffene kein Licht mehr haben, kein warmes Wasser mehr fließt, der Kühlschrank nicht funktioniert und die Wäsche nicht mehr gewaschen werden kann. Im Winter bleibt sogar die Wohnung kalt. Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur (BNetzA) wurden im vergangenen Jahr bei 344.798 Stromkunden der Strom zeitweise gesperrt.

Immer mehr Strom sperren in Deutschland

Jahr für Jahr steigen die Strompreise, ebenso steigen die Strom sperren. Im Jahr 2013 wurden fast sieben Millionen Mahnverfahren von Energieversorgern eingeleitet, mit der Drohung, den Strom abzustellen. Im Jahr 2011 waren es noch eine Million weniger Mahnverfahren mit der Androhung der Stromsperrung.  Während in 2013 in 345.000 Haushalten der Strom gesperrt wurde, waren es im Jahr 2012 noch 23.000 weniger. Im Jahr 2011 waren es sogar noch 33.000 Strom sperren weniger.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien gilt als ein Grund für die steigenden Strompreise. Die Linkspartei fordert schon seit Längerem, Stromsperren bei Privathaushalten gesetzlich zu verbieten. Für Caren Lay, stellvertretende Vorsitzende der Linken im Bundestag, ist die neue Statistik der BNetzA ein Alarmsignal, dass Strom in Deutschland für Millionen von Bürgern kaum noch erschwinglich sei. Lay kritisiert:”Die Bundesregierung verweigert eine Strompreisaufsicht und sorgt mit ihrer Politik dafür, dass der Strompreis seit 2008 für private Haushalte um 38 Prozent, für die Industrie aber nur um 13 bis 15 Prozent gestiegen ist.”

Besonders Hartz IV Empfänger betroffen

Empfänger von Hartz IV Leistungen sind besonders von den steigenden Strompreisen betroffen. Während die Preise für die Stromlieferung permanent steigen, bleibt der Anteil für Haushaltsenergie im Hartz IV Regelsatz nahezu gleich. Waren im Jahr 2012 bei einem Alleinstehenden im Regelsatz 31,27 Euro monatlich für Energie und Instandhaltung der Wohnung vorgesehen, stieg der Betrag in 2013 auf 31,94 Euro, ein Plus von 2,14 Prozent. Im gleichen Zeitraum sind aber die Energiekosten um etwa zehn Prozent gestiegen. Im Jahr 2014 sin monatlich 32,69 Euro für Energie und Instandhaltung im Hartz IV Regelsatz vorgesehen, ein Plus von 2,35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Hartz IV Leistungen decken die Stromkosten nicht, siehe auch den Artikel aus März 2013: Hartz IV Empfänger zahlen über 30 Prozent für Strom drauf

Energieversorger ohne Gnade

Energieversorger ohne Gnade

Ab 100 Euro Rückstand droht Stromsperre

Der Gesetzgeber berechtigt Energieversorger nach § 19 StromGVV zur Einstellung der Strom- und Gaslieferungen, wenn Verbraucher mit mindestens 100 Euro in Rückstand geraten und trotz Zahlungsaufforderung kein Zahlungsausgleich in Sicht ist. Dabei muss auch die Verhältnismäßigkeit geachtet werden. Hierfür muss die Stromsperre mit einer Frist von vier Wochen angekündigt werden. Zudem muss die Sperre zusätzlich drei Werktage vorher konkret angekündigt werden.

Wie Strom sperren verhindern?

In erster Linie kann jeder Verbraucher seinen Stromverbrauch selbst kontrollieren. Nur das Nötigste sollte wirklich laufen, denn selbst kleinste Stromverbraucher können sich am Jahresende zu einem großen Betrag aufsummieren. Hier hilft es auch, seinen Zählerstand in regelmäßigen Abständen auf der Stromuhr selbst abzulesen, um bei Bedarf die Abschlagszahlungen anzupassen, um hoche Nachzahlungen oder Erstattungen zu vermeiden.

Grundsätzlich sollten Miete, Heizkosten und Strom vor allen anderen Forderungen beglichen werden, da eben ein Obdach elementar ist und so eine Kündigung der Wohnung oder Sperre von Gas und Strom vermieden werden kann. Werden Leistungen von einem Sozialleistungsträger bzw. Jobcenter bezogen, können die Wohnkosten und Abschläge auch direkt durch das Amt überwiesen werden. Bei zu geringem Einkommen oder niedriger Rente sollte überprüft werden, ob ergänzende Leistungen der Grundsicherung bzw. Wohngeld gezahlt werden kann.

Quelle: Zu teurer Strom: In 2013 fast 350.000 Stromsperren!.
 

Schlagwörter: , , , , , , , ,

 
%d Bloggern gefällt das: