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Sonntagsgruß

Ansprache einer Kerze

Ihr habt mich angezündet und schaut – nachdenklich oder versonnen – in mein Licht. Vielleicht freut ihr euch ein bisschen dabei. Ich jedenfalls freue mich, dass ich brenne. Wenn ich nicht brennen würde, dann läge ich in einem Karton. In so einem Karton haben wir aber überhaupt keinen Sinn. Da liegen wir nur herum. Einen Sinn habe ich nur, wenn ich brenne. Und jetzt brenne ich.

Aber seit ich brenne, bin ich schon ein kleines bisschen kürzer geworden. Das ist schade, denn ich kann mir schon ausrechnen, wann ich so kurz bin, dass ich nur noch ein kleines Stümpfchen bin. Aber so ist das: es gibt nur zwei Möglichkeiten – entweder ich bleibe ganz und unversehrt und im Karton, dann werde ich nicht kürzer, dann geht mir überhaupt nichts ab – aber dann weiß ich nicht, was ich eigentlich soll – oder ich gebe Licht und Wärme, dann weiß ich, wofür ich da bin, dann muss ich aber etwas geben dafür: von mir selbst, mich selber. Das ist schöner als kalt und sinnlos im Karton.

So ist das auch bei euch Menschen, genauso. Entweder ihr bleibt für euch, dann passiert euch nichts, dann geht euch nichts ab – aber dann wisst ihr auch eigentlich nicht so recht: warum. Dann seid ihr wie Kerzen im Karton. – Oder ihr gebt Licht und Wärme. Dann habt ihr einen Sinn. Dann freuen sich die Menschen, dass es euch gibt. Dann seid ihr nicht vergebens da.

Aber dafür müsst ihr etwas geben: von euch selber, vor allem, was in euch lebendig ist: von eurer Freude, eurer Herzlichkeit, von eurer Treue, eurem Lachen, eurer Traurigkeit, von euren Ängsten, von euren Sehnsüchten, von allem, was in euch ist.

Ihr braucht keine Angst zu haben, wenn ihr dabei kürzer werdet. Das ist nur äußerlich. Innen werdet ihr immer heller. Denkt ruhig daran, wenn ihr in eine brennende Kerze seht, denn so eine Kerze seid ihr selber. Ich bin nur eine kleine, einzelne Kerze. Wenn ich allein brenne, ist mein Licht nicht groß und die Wärme, die ich gebe, ist gering. Ich allein – das ist nicht viel. Aber mit anderen zusammen ist das Licht groß und die Wärme stark.

Das ist einfach zu begreifen. Und wieder: bei euch Menschen ist das genauso. Einzeln, für euch genommen, ist euer Licht nicht gewaltig und die Wärme klein. Aber zusammen mit anderen, da seid ihr viel. Licht ist ansteckend!

Als der Krieg zu Ende war, fand in Los Angeles eine Feier der Bürger statt. Man feierte den Frieden. Bei seiner Ansprache sagte der Bürgermeister: “Ich möchte Ihnen etwas zeigen. In wenigen Augenblicken werden die Scheinwerfer im Stadion gelöscht. Es wird hier ganz finster werden. Ich werde dann das winzige Licht eines einzigen brennenden Streichholzes hochhalten. Sie werden es alle sehen. Dann bitte ich Sie alle, auch ein Streichholz anzuzünden und das Licht hochzuhalten.”Das Licht ging aus. Es wurde stockfinster im Stadion. Dann schauten alle auf das kleine flackernde Licht in der Hand des Bürgermeisters: rührend aber winzig. Und dann hörte man das Rascheln der Streichholzschachteln. Und mehr als achtzigtausend kleine Lichter gingen an – und das Stadion wurde wieder hell von all dem Licht.

 “Ein Licht ist wenig, aber das Licht, ist ansteckend; viele Lichter sind hell.”

Und noch etwas: Manchmal geschieht es, dass im Haushalt plötzlich das Licht ausgeht. Dann ist es unerwartet finster, und alle rufen nach einer Kerze. Dann werden Schubladen gezogen, ein Streichholz wird angemacht, und mit dem Anzünden der Kerze ist die Dunkelheit überwunden: mit einem einzigen Licht. So ist es auch wieder unter euch Menschen. Es ist nicht alles gut in dieser Welt. Vieles ist finster und kalt. Viele Klagen und schimpfen darüber. Manche hören überhaupt nicht auf, sich und anderen vorzujammern, wie miserabel es allen und ihnen im Besonderen geht. Aber ein einziges Licht, das brennt, ist mehr als alle Dunkelheit.

Lasst euch deshalb Mut machen und wartet nicht auf die anderen. Lasst euch anzünden, brennt und leuchtet und wärmt. Das ist der Sinn eures Lebens, wie es der Sinn einer einfachen Kerze ist. Und wenn ihr Zweifel habt, ob das auch stimmt, dann zündet eine Kerze an, schaut in die lebendige Flamme.

nach Hans Albert Höntges
 

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Die Zerstörung oder Minimierung des Sozialsystems

Die traurigen Parallelen englischer und deutscher Sozialpolitik

Etwa zum gleichen Zeitpunkt, in dem der Bundesrechnungshof in einer Studie die Hartz IV-Reform und die Ein-Euro-Jobs als wirkungslos erklärt, werden die schon als brutal zu bezeichnenden Pläne der englischen Regierung zur schärferen Sanktionierung der Arbeitslosen publik. Das Vorhaben von Arbeitsminister Ian Duncan Smith ist ein perfider Höhepunkt in den Zeiten der Rentenkürzungspläne in Frankreich (euphemistisch als Erhöhung des Renteneintrittsalters bezeichnet), sowie der Streichung des Renten- und Elterngeldes für Hartz IV-Empfänger in Deutschland.

Während die europäischen Staaten eisern auf Kosten der Bevölkerung sparen und überall die soziale Sicherheit bedroht ist, schießt Smith den Vogel ab.

Es ist wirklich schon waghalsig-feindselig, was die liberal-konservative Regierung den Engländern alles zumuten will. Vor  Wochen erst hatte man angekündigt, dass die Studiengebühren drastisch steigen würden (geplant ist eine Erhöhung von gegenwärtig 3.290 auf 9.000 Pfund pro Jahr ab 2012).

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Assange nicht weiter in Haft.

Julian Assang ist wieder frei!!

Assange kommt gegen Kaution frei

London (RPO). Der in Großbritannien inhaftierte Wikileaks-Gründer Julian Assange kommt gegen Kaution frei. Das entschied gerade ein Gericht in London. Assanges Anwalt hatte zuvor erklärt, sein Mandant sei bereit, eine elektronische Fußfessel zu tragen und sich an einer der Polizei bekannten Adresse aufzuhalten.

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Getty Images

WikiLeaks-Chef Assange: Unterstützer trugen Kaution zusammen

Der Einspruch ist abgewiesen worden: WikiLeaks-Gründer Julian Assange kann nun doch gegen Kaution aus der Haft freikommen, das hat ein Gericht in London entschieden. Assange muss sich aber an strikte Auflagen halten.

London – WikiLeaks-Gründer Julian Assange darf das Gefängnis in London verlassen. Das entschied das höchste britische Zivilgericht am Donnerstag in zweiter Instanz. Ein Richter hatte bereits am Dienstag angeordnet, Assange gegen Sicherheitsleistungen von 240.000 Pfund (288.000 Euro) auf freien Fuß zu setzen. Doch dagegen wurde Beschwerde eingelegt. Eine Sprecherin der schwedischen Staatsanwaltschaft widersprach Berichten, wonach die Beschwerde von ihrer Behörde stammte. Diese habe damit nichts zu tun. Sie sei allein Sache der britischen Staatsanwaltschaft gewesen. Die wiederum widersprach dem: Die britische Staatsanwaltschaft habe in Auftrag der schwedischen Regierung gehandelt.

 

Unter den Unterstützern von Assange vor dem Gerichtsgebäude im Zentrum Londons brach unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Entscheidung Jubel aus.

 

Assange befindet sich seit gut einer Woche in Haft, nachdem er sich wegen Vergewaltigungsvorwürfen in Schweden der britischen Polizei gestellt hatte. Er hat die Vorwürfe zurückgewiesen und von einer Intrige gesprochen. Die Anschuldigungen von zwei Schwedinnen, wonach er im August ungeschützten Sex erzwungen haben soll, bestritt er.

Die Freilassung auf Kaution ist mit Auflagen verbunden. 200.000 Pfund müssen in bar hinterlegt werden. Außerdem muss er sich auf dem Landsitz Ellingham Hall in der ostenglischen Grafschaft Suffolk aufhalten und sich täglich bei der Polizei melden. Um Assange zu helfen, hatten Unterstützer – unter ihnen auch Prominente wie Bianca Jagger – Geld für die Kaution zusammengetragen.

Spätestens am 11. Januar wird die eigentliche Anhörung über das Auslieferungsbegehren aus Schweden stattfinden. Die schwedischen Behörden wollen die Auslieferung Assanges erreichen, um ihn wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung zu befragen. Eine Anklage gibt es nicht.

 

 

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