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Schlagwort-Archive: Armut

„Schlimmer als die Armut ist die Demütigung“

630 Euro Rente nach 40 Jahren Beitragszahlung

Magda Kunkel ist 74, Rentnerin, und lebt in Gießen. Sie hat 40 Jahre lang ihre Beitragszahlungen entrichtet, drei Kinder erzogen und wird jetzt mit 630 Euro aus der gesetzlichen Rente abgespeist. Davon muss sie ihr Leben bestreiten.

Einen bemerkenswerten und nachdenklich machenden Auftritt gab es in der Sendung »Maybritt Illner« beim per GEZ-Zwangsgeld finanzierten Sender ZDF. Die 74-jährige Magda Kunkel aus Gießen schilderte eindringlich und ohne jedem Pathos ihre Situation.

Die eindringlichen Worte von Frau Kunkel in diesem Video:

Das knappe Geld, sie muss ihren Lebensunterhalt aus 630 Euro Rente plus 300 Euro zur Grundsicherung bestreiten. In diesem Zuschlag ist der Mehraufwand für krankheitsbedingte Ernährung bereits enthalten.

Magda Kunkel hat 48 Jahre lang gearbeitet, etwa 40 Jahre ihre Beitragszahlungen entrichtet und drei Kindern das Leben geschenkt. Dass sie nun mit dieser geringen Rente auskommen muss, sei schlimm und sie fühlt sich nicht gut behandelt. Ihre Generation hat nach dem Krieg, wenn überhaupt, kranke Väter nach Hause bekommen. Die Mütter haben, wenn überhaupt, kranke Männer nach Hause bekommen. »Wir haben schwer arbeiten müssen!«

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Brief eines Hartz IV-Kindes

an Frau Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland

Freitag, 13.11.2015. Eifel.

Liebe Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, heute möchte ich Dir einen Brief schreiben, weil es meiner Mama ganz schlecht geht. Ich darf nicht sagen wie ich heiße und wo ich wohne, denn meine Mama würde das ganz sicher nicht gut finden. Ich darf auch nirgendwo erzählen, das wir Hartz sind, weil Papa nicht mehr da ist: das sieht Mama nicht so gerne. Das braucht sie mir aber auch gar nicht zu sagen, denn ich weiß ja selber, wie die Menschen so komisch werden, wenn sie das hören. Der Daniel hat sogar mal gesagt, das sein Papa meinte, solche wie mich sollte man in LAGER sperren wie früher, aber der Daniel ist ja auch doof. Ich weiß auch nicht, was „solche wie ich“ sind, ich will doch nur sein wie alle anderen auch. Aber deshalb schreibe ich Dir ja auch, liebe Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Weißt Du – ich BIN ja nicht dumm. Das sagen auch die Ärzte. Meine Lehrerin hat meine Mama mal zu Ärzten geschickt, weil ich so „komisch“ bin, die haben dann getestet, wie klug ich bin: ich habe einen „IQ“ von 150 für rechnen – und da haben die Recht: rechnen kann ich wirklich gut. Ich glaube auch nicht, dass ich komisch bin, wir haben nur nicht so viel GELD wie die anderen. Ich kann nicht jeden Tag wie die anderen was am Kiosk kaufen, da kostet eine kleine Flasche Limonade zwei Euro, aber meine Mama darf für mich am Tag nur 3 Euro ausgeben. Sie hat mal gesagt, dass Du für einen der Hunde bei der Polizei 6 Euro pro Tag ausgibst, damit es dem gut geht und er gesunde Sachen essen kann. Liebe Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel: ich würde auch gerne so gesunde Sachen essen, nicht immer nur Nudeln mit Tomatensauce. Gut, die esse ich sehr gerne, aber ich esse auch gerne Äpfel, Zitronen, Apfelsinen. Ich will auch schon gar kein Eis mehr und keine Schokolade. Eine Kugel Eis kostet bei uns im Dorf einen Euro, wenn ich zwei Kugeln nehme, dann wird Mama wieder ganz traurig.

Das erste Schuljahr war ich auch noch nicht „komisch“, die Eltern waren nett zu mir, die haben mir sogar einen ganzen Sack Schuhe geschenkt, weil meine so alt aussahen. Ich fand das ganz toll, aber meine Mama nicht, weiß auch nicht, warum. Vielleicht, weil das alle gesehen haben. Sie fand das auch nicht toll, dass sie in dem Geschäft, wo sie die Sachen für uns immer so billig kauft, weil die andere schon mal an hatten, eine Hose bekommen hat, die von Lea aus meiner Klasse war; die Lea hat ganz fürchterlich laut gelacht, als sie das gesehen hat. Seitdem spielt sie auch nicht mehr mit mir. Ich hatte auch Freunde in der ersten Klasse: die Lara, den Michael, die Klara, den Mustafa, den Sebastian; bei denen war ich auch zum Geburtstag eingeladen. Das war immer toll, wir waren im Kino, im Schwimmbad, im Spieleparadies in der Nachbarstadt; aber als wir dann bei uns Geburtstag gefeiert haben, waren die anderen Kinder nicht so glücklich;42-15218027 dabei hat sich meine Mama so eine Mühe gegeben. Die anderen Kinder wollten bei uns Playstation und X-Box-Spiele spielen, hatten extra Spiele mitgebracht. Das macht auch viel Spaß, weil man da zusammenspielen kann, aber wir haben sowas nicht. Seitdem gehe ich zu keinen Geburtstagen mehr, ich will da auch gar nicht mehr hin. Ich weiß jetzt, dass wir nicht so viel GELD haben wie die anderen und da will ich nicht, dass meine Mama Geld für Geschenke ausgibt oder große Partys, weil ich weiß, dass sie dann abends wieder leise weint. Read the rest of this entry »

 

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