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Guttenbergs Probleme mit dem Eigentum

Eigentlich sollte sich der reiche Adelige mit den Eigentumsrechten auskennen, aber wenn es nicht um Wald, sondern um geistiges Eigentum geht, verwickelt sich der Freiherr in Schwierigkeiten

Man muss sich schon wundern, wie der reiche Freiherr zu Guttenberg, einstiger Medienliebling und Shooting Star der CSU, weiterhin versucht, die Menschen für blöd zu verkaufen. Auf über 60 Prozent seiner Promotionsarbeit finden sich Plagiate aus 135 Quellen. Die Seiten, die Plagiat frei sind, muss man suchen.

Zwar entschuldigt sich der Adelige, der nun für seine Rückkehr auch sein Erscheinungsbild revidiert hat, dass er irgendwie Fehler gemacht und sich in seinem Chaos und aufgrund von Überbelastung nicht mehr zurecht gefunden zu haben, so dass er Eigenes mit Fremdes über Hunderte von Seiten verwechselt hat. Man muss sich allerdings schon fragen, warum dieses eingeräumte Versagen den Mann zu einem vertrauenswürdigen oder kompetenten Politiker machen sollte, lässt man mal den Betrugsversuch außen vor? Wer in kritischen Situationen sich nicht mehr zurechtfindet und überfordert ist, der sollte eher sein Privatvermögen verwalten, als versuchen, auf der politischen Bühne das Schicksal von Millionen von Menschen zu lenken.

Der gute Guttenberg wird aber nun noch mehr Probleme bekommen,

seine Promotion als einmalige Entgleisung durch Umnachtung darzustellen, da er offenbar nach GuttenPlag schon 2004 in einem kurzen Text, den man kaum Studie nennen kann, sich als Plagiator bewährt hat und vielleicht auf den Geschmack gekommen ist. Die Übersicht verloren dürfte er auf den 23 Seiten wohl kaum haben, sonst würde es wirklich schlecht um ihn stehen.
Der Text,
(Die Beziehungen zwischen der Türkei und der EU – eine ‚privilegierte Partnerschaft‘) ist zwar nur in den Aktuellen Analysen der Hanns-Seidel-Stiftung veröffentlicht worden, aber der Freiherr war so frei, ihn als eigenes Produkt zu verkaufen.

Das ist ein bisschen so, als würde eine Person etwa in die geerbten Wälder des Adeligen eindringen und dort Holz schlagen.

Auch wenn es keine wissenschaftliche Arbeit war, so erheischt Autorenschaft, zumindest die zu nennen, deren Texte man wörtlich und sinngemäß übernimmt, also auch, das Eigene entsprechend zu kennzeichnen. Das scheint aber nicht Guttenbergs Stil zu sein, wenn es um das geistige Eigentum geht, beim materiellen müsste man mal eine Probe statuieren, ob er die Grenzen zwischen eigenem und Fremden für ebenso unwichtig erachtet. Wenn er dies täte, wäre dies zumindest konsequent, man wird aber annehmen dürfen, dass er seine Besitztümer schon für sich beanspruchen wird und sie nicht nach eigenem Stil verschenken wird.

Der Artikel wurde nach natürlich nach strengen Copyrightregeln veröffentlicht, von denen der Autor offenbar keine Kenntnis genommen hat. „Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung der Redaktion reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.“

Der Freiherr des geistigen Eigentums machte auch nirgendwo klar, dass er fremde Textstellen benutzte oder kompilierte. Das wäre ja auch im Prinzip kein Problem. Samplen ist eine Kulturtechnik, Copy&Paste auch, aber nicht, wenn man so tut, als wäre alles auf dem eigenen Mist – oder in den eigenen Wäldern – gewachsen. Guttenberg will aber weiterhin jede Schuld von sich weisen und versucht, sich gegen Welt am Sonntag herauszureden, was ihn nur noch unglaubwürdiger macht und als Scharlatan erscheinen lässt:

„Die Internet-Plattform liegt mit ihren Gegenüberstellungen vollkommen richtig. Aber im Gegensatz zu meiner Doktorarbeit handelt es sich bei dem besagten Text um ein politisches Papier, das in meinem Bundestagsbüro – unter Mithilfe meiner Mitarbeiter – im Rahmen meiner  entstanden ist und das ursprünglich als Argumentationshilfe für die CSU-Landesgruppe entworfen wurde. Und selbstverständlich wurden hierbei bestehende, fremde Quellen genutzt, da ja lediglich eine politische Meinung unterfüttert werden sollte. Der Text hatte niemals den Anspruch, eine eigenständige wissenschaftliche Leistung oder besonders innovativ zu sein, sondern diente der konzeptionellen Einbettung der politischen Idee der „privilegierten Partnerschaft“. Hierbei wurden auch bestehende Ideen genutzt und übernommen, teilweise aber auch in einen neuen Kontext gesetzt. Obgleich dies bei politischen Papieren eher unüblich ist, enthält es Quellenangaben. Die Hanns-Seidel Stiftung hatte mich später gebeten, ihr das Papier zur Verfügung zu stellen. Unter dieser Maßgabe von GuttenPlag lassen sich wahrscheinlich tausende Stellen in politischen Papieren, Reden und Vorträgen als Plagiate bezeichnen.“ Von  Florian Rötzer

Quelle:

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