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„Für eine andere Welt“

Die Globalisierung der Aufstände

Ob Stuttgart 21, Gorleben oder Demos gegen die Studiengebühren; Proteste in Deutschland sind meist (noch) friedlich und kanalisiert, sieht man von den ritualisierten Chaostagen, oder den Maidemonstrationen in Berlin und Hamburg einmal ab. Diese regelmäßig von Randalen und Straßenschlachten begleiteten Veranstaltungen sind aber hauptsächlich ein Phänomen der linksautonomen bzw. linksextremen Szene und spielen sich seit den 80er Jahren in keinem direkt zu erfassenden Zusammenhang mit dem politischen Tagesgeschehen ab. Damit waren sie auch nicht als Indiz einer größeren sozialen Unruhe und Dynamik zu bezeichnen.

Diese Momente, die als urbane Gewalt bezeichnet werden, müssen in jüngster Zeit jedoch aus einer neuen, internationalen Perspektive betrachtet werden. Sie entwickeln sich seit dem letzten Jahrzehnt verstärkt zu einem globalen Phänomen, das in einem direkten Wirkungszusammenhang zu den sozialen und ökonomischen Verwerfungen der Globalisierung gebracht werden muss und nun auch Menschen jenseits von linken Randgruppen auf die Straße treibt.

Wie der Fernsehsender Arte in einem eindrucksvollen Dokumentarfilm dargestellt hat, sind die Nationalstaaten – egal ob es sich um autoritäre oder demokratische Regime handelt – immer weniger in der Lage, das Gleichheitsversprechen an seine Bürger zu erfüllen und für eine einigermaßen gerechte Verteilung der materiellen, sozialen oder ggf. politischen Teilhabe zu sorgen.

Vor diesem Hintergrund thematisiert die französische Dokumentation Für eine andere Welt den psychologischen, sozialen und politischen Zusammenhang von immer größeren und häufigeren zivilen Unruhen und der sich in der Krise befindenden kapitalistischen Weltwirtschaftsordnung. Allein im Jahr 2009 wurden weltweit 524 Aufstände gezählt, und fast ein Drittel davon fand in Europa statt. Damit übersteigen sie die Revolten der 1960er Jahre bei weiten. Doch egal ob es sich um Länder wie Spanien, Frankreich, Griechenland, Dänemark, Bangladesch oder sogar China handelt – alle Proteste werden von einer jungen Generation getragen, die sich um ihre Zukunftschancen beraubt sieht.

Die im Jahre 2010 erschienene Produktion dürfte angesichts ihrer nüchternen Klarheit und schonungslosen Analyse – insbesondere der europäischen Zustände – wohl ein Novum im deutschen Fernsehen sein. Deswegen muss auf den Filmvon Samuel Luret und Damien Vercarmer, der am 9. November erstmals ausgestrahlt wurde, mit allem Nachdruck hingewiesen werden.

„Die Dokumentarfilmer sind nach Griechenland, Dänemark und China gefahren – zu den jungen Akteuren, um mit ihnen über ihre Gründe für die Proteste zu reden. Aus ihrer Sicht schildern sie uns die Unruhen 2008 in Griechenland und 2007 in Kopenhagen sowie die Streiks in der „Weltfabrik China“ in Suzhou und Shenzhen 2010. Sie reden über ihr Engagement und ihre Erwartungen und wie sie diese Welt, verändern wollen.
Soziologen aus Frankreich und anderen Ländern analysieren diese neuen Unruhen in den verschiedenen Gesellschaftssystemen. Diese kollektiven Wutausbrüche sind alle Ausdruck der Krise in den Zeiten der Globalisierung“

Quelle:

 

 

 

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