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Auch in der Weihnachtszeit >Ordnung muss sein<

23 Dez

Recht und Ordnung in Bottrop oder wie schikaniert man einen obdachlosen Menschen!

Nicht einfach nur ein Obdachloser Mensch

Wie muss es sich anfühlen, wenn man nach knapp 20 Jahren in seine Heimatstadt zurückkehrt und gleich wieder vertrieben wird, nur, weil man nicht so leben möchte, wie die Gesellschaft es verlangt?
Seit ca. 14 Tagen hat Bottrop einen neuen/alten Mitbürger.
Nach 17 Jahren leben in Freiheit auf den Straßen Deutschlands, Schweiz etc. kam dieser Mitbürger (von vielen hier Burki genannt) wieder zurück in seine Heimatstadt Bottrop.
Man gewöhnt sich schnell an diesen kleinen Mann mit seiner roten Mütze und man muss ihn einfach ins Herz schließen. Alles was er möchte, ist glücklich sein und dieses auch mit den Mitmenschen teilen.
Burkhard hat sich an der Festwiese in Bottrop, nahe seinem Geburtshaus niedergelassen.
Bewusst hat er seinen Platz am „Altar“ der hl. Barbara gewählt (Festplatz Batenbrock – Funkestraße/Scharnhölzstraße), die er liebevoll dekoriert damit Menschen sich daran erfreuen, auch mal stehen bleiben und eine Kerze anzünden. Er hält in seinem momentanen kleinen Reich Ordnung, fegt Blätter von den Wegen, befreit die Randsteine von Unkraut, bringt Plastiktüten in die Abfalleimer, damit sie besser zu leeren sind, entfernt Hundekot von der Wiese etc. Jetzt in der Winterzeit, wo es früher dunkel wird, war immer wenig bis kein Betrieb in diesem „kleinen Park“, das hat sich allerdings geändert seit Burki dort ist. Es sind seitdem abends Spaziergänger unterwegs, die sich an dem Anblick des beleuchteten Altars erfreuen, ältere Menschen die eine Kerze anzünden um ihren Lieben zu gedenken, Gassigänger die sich jetzt wohler fühlen und ohne Angst ihre Runden drehen können oder einfach nur Menschen, die ihn ins Herz geschlossen haben und ihm Gesellschaft leisten wollen! Wer Burkhart kennenlernt, verliert schnell seine Vorurteile gegenüber „Obdachlose“, denn er ist äußerst intelligent, wortgewandt, harmoniebedürftig, immer nett und höflich. Vieles das, was einige, wenige Menschen „der Gesellschaft“ nicht vorweisen können!
Man muss ihn einfach kennenlernen, denn über diesen Menschen zu schreiben oder ihn zu beschreiben ist schier unmöglich!
Viele helfen ihm jetzt durch die kalte Jahreszeit, es werden Schlafsäcke gebracht, warme Mahlzeiten und Getränke, warme Kleidung, es wird dafür gesorgt das es ihm soweit „gut“ geht.

Leider gibt es aber Menschen, die (ver)urteilen über (ihn), ohne ihn zu kennen, denen er ein Dorn im Auge ist:
„Weil er Freude bereitet?
Weil er nach so kurzer Zeit, die er hier „lebt“, Menschen miteinander vereint, die sich vorher nicht mal zu den Tageszeiten begrüßt haben?
Weil sie einfach Lust haben, einen Menschen den sie nicht kennen, zu schikanieren?
Weil es ein tolles Gefühl ist, einen Menschen zu treten, der eh schon am Boden liegt?“
Weil.. Ja, WARUM?


So ist es geschehen, dass die Ordnungshüter der Stadt Bottrop bzw. 2 dieser Mitarbeiter, ihm all die Dinge genommen haben, die ihm im Moment Kraft geben. Dinge, die Menschen ihm geschenkt haben, Dinge mit denen er sich und seinen Mitmenschen glücklich machen wollte. Keine Erklärung warum sie ihm und uns, all diese Dinge genommen haben. Es ist ja „nur“ ein Obdachloser, da brauchen sich die Ordnungshüter der Stadt Bottrop nicht an Rechte zu halten?
Er ist kein Mensch, der Unfrieden stiftet, der böse wird (es sei denn man verurteilt ihn dafür, dass er all diese Dinge tut und/oder bohrt in seiner Vergangenheit) er hat es einfach zugelassen, dass ihm all das woran sein Herz gerade hängt, genommen wird.
Mit welchem Recht wurden ihm diese Dinge genommen?
Mit welchem Recht, wird ihm kein Respekt entgegengebracht?
Mittlerweile haben wir seine Sachen wiederbekommen, aber…

..wir wollen darum kämpfen bzw. ist es unser Wunsch, dass er erstmal dortbleiben kann, wo er jetzt ist/war.
Auf einem kleinen Stück Wiese wo er sich sicher fühlt und ohne Angst schlafen kann. Er möchte einige Dinge klären, bevor er sich eventuell wieder für ein geregeltes Leben entscheidet und all das sollte man/wir doch akzeptieren und respektieren können. In eine Obdachlosenunterkunft möchte er nicht, denn dort hat er Angst. Angst vor Gewalt, Angst vor Diebstahl, Angst vor allzu viel Alkohol, Angst vor Drogen mit denen er nichts zu tun haben will.
Wir möchten ihm helfen, ein geregeltes Leben aufbauen zu können, ohne Zwang!
Wir dachten, dass sich die Menschen die ihn nicht akzeptieren, sich nicht mal die Mühe machen ihn kennenzulernen oder zu verstehen, im Hintergrund halten und ihn nicht gleich verurteilen und auf ihn losgehen!

Da haben wir wohl falsch gedacht.
Am 8.11. trafen erneut mehrere Mitarbeiter vom Ordnungsamt an und Burkhard musste unverzüglich die Bank räumen.
So traf ich ihn weinend und schimpfend vor. Das bisschen Hab und Gut das er hat, ordentlich verpackt auf einem Karren gegenüber ’seiner‘ Bank.
Verzweifelt fragte er mich warum man ihm all das antut. Warum es Menschen gibt, die sich nicht mal die Mühe machen ihn kennenzulernen und warum man ihm all die Dinge jetzt nimmt, die ihn und viele Menschen hier glücklich gemacht haben. Fragen die einen wütend machen und gleichzeitig Tränen in die Augen jagen, aber Fragen die ich ihm leider nicht beantworten konnte!
brücke
Ich hoffe, dass diese Menschen die ihn verurteilen jetzt glücklich sind, dass diese Parkbank wieder frei ist. (Sie wird auch frei bleiben, denn wer setzt sich im Winter bei Regen und Sturm auf eine Parkbank um Lichter anzuzünden, die genau das Gegenteil erreichen sollten. Eine Bank auf der diese Menschen nie gesessen haben, denn die Menschen die hin und wieder dort sitzen, haben sich die Mühe gemacht ihn kennenzulernen und ihn gleich ins Herz geschlossen!)
Ja, die Bank ist frei! Frei von einem Menschen, der die Natur liebt, dem Liebe, Glück und Freude das Höchste sind.
Frei von Burkhard, einem Menschen der durch einen schweren Schicksalsschlag alles verloren hat und dennoch nur das Gute in den Menschen sieht.
Quelle: Lokalkompass

 

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