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Momente die unser Leben wertvoll machen

22 Jul

Dies schrieb ein New Yorker Taxifahrer

ich wurde zu einer Adresse hin bestellt und wie gewöhnlich hupte ich als ich ankam. Doch kein Fahrgast erschien ich hupte erneut nichts noch einmal nichts meine Schicht war fast zu Ende dies sollte meine letzte Fahrt sein es wäre leicht gewesen einfach wieder wegzufahren. Ich entschied mich jedoch dagegen, parkte den Wagen und ging zu Haustier.

Kaum hatte ich geklopft würde ich eine alte gebrechliche Stimme sagen „Bitte einen Augenblick noch!“
Durch die Tür hörte ich, dass offensichtlich etwas über den Fußboden geschleift wurde.

Es verging eine Weile bis sich endlich die Tür öffnete. Vor mir stand eine kleine alte Dame, bestimmt 90 Jahre alt. Sie trug ein mit Blümchen bedrucktes Kleid und einen dieser Pillbox Hüte mit Schleier, die man früher immer getragen hat. Ihre gesamte Erscheinung sah so aus, als wäre sie aus einem Film der 1940 er Jahre entsprungen. In ihrer Hand hielt sie einen kleinen Nylonkoffer. Da die Tür offen war, konnte ich nun auch in die Wohnung sehen. Die Wohnung sah aus als hätte hier über Jahre niemand mehr gelebt. Alle Möbel waren mit Tüchern abgedeckt. Die Wände waren völlig leer-keine Uhren hingen dort. Die Wohnung war fast komplett leer-kein Nippes, kein Geschirr auf der Spüle, nur hinten in der Ecke sah ich etwas. Ein Karton, der wohl mit Fotos und irgendwelchen Glas-Skulpturen bepackt war.

„Bitte, junger Mann, tragen Sie mir meinen Koffer zum Wagen?“ Sagte sie. Ich nahm den Koffer und packte ihn in den Kofferraum. Ich ging zurück zu der alten Dame, um ihr beim Gang zum Auto ein wenig zu helfen. Sie nahm meinen Arm und wir gingen gemeinsam in Richtung Bürgersteig, zum Auto.

Sie bedankte sich für meine Hilfsbereitschaft. „Es sei nicht der Rede wert“antwortete ich ihr, „ich behandle meine Fahrgäste schlicht genauso wie ich auch meine Mutter behandeln würde!“

„Oh, Sie sind wirklich ein vorbildlicher junger Mann.“ Erwiderte sie.

Als die Dame in meinem Taxi platz genommen hatte, gab sie mir die Zieladresse, gefolgt von der Frage, ob wir denn nicht durch die Innenstadt fragen können.“ Nun, das ist aber nicht der kürzeste Weg, eigentlich sogar ein erheblicher Umweg,“ gab ich zu bedenken.“ Oh, ich habe nichts dagegen“, sagte sie.“ Ich bin nicht in Eile. Ich bin auf dem Weg in ein Hospiz.“ „Ein Hospiz?“ Schoss es mir durch den Kopf. Scheiße, man? Dort werden doch sterbenskranke Menschen versorgt und beim Sterben begleitet. Ich schaute in den Rückspiegel, schaute mir die Dame noch einmal an.

„Ich hinterlasse keine Familie“fuhr sie mit sanfter Stimme fort.“ Der Arzt sagt, ich habe nicht mehr sehr lange.“

Ich schaltete das Taximeter aus.“ Welchen Weg soll ich nehmen?“ Fragte ich.
Für die nächsten 2 Stunden fuhren wir einfach durch die Stadt. Sie zeigte mir das Hotel, in dem sie einst an der Rezeption gearbeitet hatte. Wir fuhren zu den unterschiedlichsten Orten. Sie zeigte das Haus in dem sie und ihr verstorbener Mann gelebt hatten als sie noch „ein junges wildes Paar“ waren. Sie zeigte mir ein modernes neues Möbelhaus, das früher“ein angesagter Schuppen“zum Tanzen war. Als junges Mädchen habe sie dort oft das Tanzbein geschwungen.

An manchen Gebäuden und Straßen bat mich besonders langsam zu fahren. Sie sagte dann nichts. Sie schaut einfach nur aus dem Fenster und schien mit ihren Gedanken noch einmal auf eine Reise zu gehen. Hinter dem Horizont kam die ersten Sonnenstrahlen. Waren wir tatsächlich die ganze Nacht durch die Stadt gefahren? „Ich bin müde“sagte die alte Dame plötzlich. „Jetzt können wir zu meinem Ziel fahren.“

Schweigend fuhren wir zur Adresse, die sie mir am Abend gegeben hatte. Das Hospiz hatte ich mir viel größer vorgestellt. Mit seiner Mini-Einfahrt wirkte es eher wie ein kleines freundliches Ferienhaus. Jedoch stürmte kein kaufwürdiger Makler aus dem Gebäude sondern zwei alternde Sanitäter die, kaum hatte ich den Wagen angehalten, die Fahrgasttür öffneten. Sie schienen sehr besorgt. Sie mussten schon sehr lange auf die Dame gewartet haben.

Und während die alte Dame im Rollstuhl Platz nahm, trug ich ihren Koffer zum Eingang des Hospiz. „Wie viel bekommen Sie?“ Fragte sie, während sie in ihrer Handtasche kramte.
„Nichts“, sagte ich. „Sie müssen doch ihren Lebensunterhalt verdienen“, antwortete sie. „Es gibt noch andere Passagiere“ erwiderte ich mit einem Lächeln. Und ohne lange darüber nachzudenken, umarmte ich sie. Sie hielt mich ganz fest an sich.

„Sie haben einer alten Frau auf den die ihren letzten Meter noch ein klein wenig Freude und Glück geschenkt. Danke“ sagte sie mit glasigen Augen zu mir. Ich drückte ihre Hand, und ging dem trüben Sonnenaufgang entgegen… Hinter mir schloss sich die Tür des Hospiz. Es klang für mich wie der Abschluss eines Lebens.

Meine nächste Schicht hätte jetzt beginnen sollen, doch ich nahm keine neuen Fahrgäste an. Ich fuhr einfach ziellos durch die Straßen -völlig versunken in meine Gedanken. Ich wollte weder reden, noch jemanden sehen. Was wäre gewesen, wenn die Frau an einen unfreundlich und mies gelaunten Fahrer geraten wäre, der nur schnell seine Schicht hätte beenden wollen. Was wäre, wenn ich die Fahrt nicht angenommen hätte. Was wäre, wenn ich nach dem ersten Hupen einfach weggefahren wäre?

ErinnerungWenn ich an diese Frau zurück denke, glaube ich, dass ich noch niemals etwas wichtigeres im Leben getan habe.
In unserem hektischen Leben, legen wir besonders viel Wert auf die großen, bombastischen Momente. Größer. Schneller. Weiter.
Dabei sind es doch die kleine Momente, die kleinen Gesten die wir leben welche wirklich zählen. Für diese kleinen und schönen Momente sollten wir uns wieder Zeit nehmen. Wir sollten wieder Geduld haben – und nicht sofort hupen – dann sehen Sie wir sie auch, jene Momente die unser Leben wertvoll machen.

Verfasser unbekannt.

 

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