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Nimm mit,halts maul und fress dei suppen

08 Mrz

Nimm mit,halts maul und fress dei suppen

Rund um Hartz IV haben sich alle möglichen Nutznießer der sozialen Misere in diesem Lande breitgemacht: Fortbildungseinrichtungen, private Arbeitsvermittler, Jobcenters, etwa 18.000 Leiharbeitsfirmen, Rechtsanwälte und Wohlfahrtsunternehmen. Es gibt Hartz-IV-Supermärkte, Hartz-IV-Kleiderkammern und Hartz-IV-Tafeln.

In den Medien wird viel über die Helfer und Initiatoren von Tafeln berichtet. Der Blick aus Perspektive der Nutzer ist relativ neu. Svenja Fischbach hat sich im Dezember 2013 und Januar 2014 von sechs Frauen und vier Männern im Alter von 35 bis 65 Jahren erzählen lassen, wie sie den Gang zur Tafel erleben. Eine wollte das nach Leitfaden geführte Interview nicht in ihrer Wohnung führen, aus Angst, die Nachbarn hörten zu.

Anlass für das Empfinden sozialer Scham sei die „Bedürftigkeitsprüfung“, sagt Fischbach. Nutzer müssen ihren Hartz-IV- oder Rentenbescheid vorlegen, um Essen zu bekommen.

„Es ist etwas ganz anderes als im Supermarkt einkaufen zu gehen“, berichtet Fischbach. Die Menschen müssen meistens in der Warteschlange anstehen, mal eine halbe Stunde, mal bis zu zweieinhalb Stunden lang. Dabei kann es vorkommen, dass sie im Regen stehen oder auf Toilette müssen.

Die Reihenfolge werde mit Nummern geregelt. Kommen die Tafel-Besucher dann an die Reihe, dürften sie nicht selbst auswählen, sondern bekämen von den Helfern Nahrungsmittel in die Tasche gepackt.

Das ginge „nicht immer nur unbedingt feinfühlig zu“, die Sachen würden „dir reingeworfen, du kannst gar nicht fragen oder irgendwie gucken“, berichtete man Fischbach. Es wären schon mal Dinge dabei, die sie aus gesundheitlichen Gründen nicht essen können, oder es gebe drei Wochen nur Wirsingkohl.

Die Helfer könnten auch bestimmen, wer wie viele Lebensmittel erhält, berichten die Nutzer. Einer hatte den Eindruck, er werde nicht gemocht und bekomme deshalb weniger. Ein anderer berichtet, er bekomme „mal einen Joghurt mehr“. Von den Nutzern werde „Bescheidenheit, Demut und Dankbarkeit erwartet“.

Die Ehrenamtlichen wurden Fischbach teilweise als reserviert und unfreundlich beschrieben. Und als eine Nutzerin eine Tafel aufsuchte, die die Vergabe anders handhabt, und dort selbst Obst und Brot aus Körben auswählen durfte, spricht sie vom „Schlaraffenland“.

 

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