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Arme sterben früher

12 Dez

Arme sterben früher-Gefahr wächst immer stärker

Die Lebenserwartung von Geringverdienern sinkt nach jüngsten Zahlen.

Vor dem Problem warnt der Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert schon lange – er sieht ärmere Menschen zunehmend in Gefahr.

Der Mainzer Sozialmediziner Gerhard Trabert sieht für ärmere Menschen in Deutschland ein wachsendes Risiko für eine geringere Lebenserwartung.
„Armut bedeutet hier in Europa, in Deutschland nicht, dass ich auf Konsumgüter verzichte, sondern Armut bedeutet, dass ich früher sterbe“,
sagte der Vorsitzende des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland am Montag. „Dieser Trend hat in der letzten Zeit zugenommen.“

Der Obdachlosenarzt warf der Bundesregierung vor, das Problem zu ignorieren. „Ich spüre eine Beratungsresistenz der Politik sondergleichen“, sagte Trabert.

Dabei sei der Trend abzusehen gewesen: „Das war alles vorhersehbar.“ Als Gründe nannte er die Hartz-IV-Reform und Zuzahlungen durch die Gesundheitsreform.

Der Hartz-IV-Regelsatz für Langzeitarbeitslose sei zu gering. „Dann kann ich mich nicht gesund ernähren“, sagte Trabert. Dies sei unabhängig vom Bildungsstand und vom individuellen Verhalten. Bei der Ernährungsbildung müsste es passende Kurse für Eltern geben.

Er kritisierte auch die Praxisgebühr. „Das hat dazu geführt, das haben ja auch viele Expertisen ergeben, dass arme Menschen seltener zum Arzt gehen.“ Für Zusatzbeiträge müsse es eine Härteklausel geben.

Für den Sozialexperten kommt das Problem einer Geringschätzung von Arbeitslosen in der Gesellschaft hinzu. „Das ist wirklich ein Stressfaktor. Die Menschen ziehen sich zurück“, sagte Trabert. „Männer identifizieren sich sehr stark über die Arbeit. Wenn das weg fällt, dann wissen wir: Die Depressionsrate nimmt zu.“ Dies wirke sich letztendlich negativ auf die Lebenserwartung aus.

Quelle:Gespräch: Marc-Oliver von Riegen,

Während die Menschen in Deutschland insgesamt immer älter werden,

alte Menschen Leute

sinkt bei Hartz IV und Geringverdienern die Lebenserwartung.

Der Kölner Armutsforscher Prof. Christoph Butterwegge führt dies auf Kürzungen im Sozialbereich zurück.

Was sind Ihrer Meinung nach die Gründe für die auseinander driftende Lebenserwartung?

Butterwegge:

«Mich wundert diese Entwicklung nicht. Arme müssen früher sterben – das ist ein Ergebnis der Armutsforschung, das schon lange bekannt ist. Und wenn der Niedriglohnsektor in der Bundesrepublik etwa seit der Jahrtausendwende doch recht deutlich ausgebaut worden ist, dann bedeutet das natürlich auch, dass mehr Menschen enormem Druck unterliegen. (…) Die Folge davon ist, dass Menschen im Niedriglohnsektor eine schlechtere Gesundheitsversorgung haben und dann auch eine geringere Lebenserwartung.»

Werden im Gesundheitswesen wirklich Dinge vorenthalten, die über Leben und Tod entscheiden?

Butterwegge: 

«Ja, in der Summe. Wenn ich jetzt eine schlechtere medizinische Versorgung habe über Jahrzehnte und wenn ich gleichzeitig beseelt bin von der Angst, mich und meine Familie nicht mehr wie früher in einem ausgebauten Sozialstaat versorgen zu können, dann führt das zu psychosozialen Problemen vieler Menschen. Ich habe einen Jugendfreund, der arbeitet als Leiharbeiter (…) auf Montage: zugige Arbeitsverhältnisse, krankmachende im Prinzip, aber nicht die Möglichkeit zu sagen „Nein, ich mache das nicht“, weil einfach der ökonomische Druck heute viel stärker ist als in den 90er Jahren.»

Geringverdienern wird oft vorgeworfen, sie würden zu viel rauchen und zu ungesund essen. Sind sie also auch selber schuld?

Butterwegge: 

«Ja, nur von dem Geld, was dort verdient wird, kann ich mir auch nicht Biogemüse und Obst leisten. Dieses Eigenverschulden, das Sie ansprechen, mag da mit im Spiel sein. Auf der anderen Seite (…): Wenn ich eben solche Sorgen habe, dann betäube ich mich eher mit Zigaretten und Alkohol, als wenn ich Professor bin und eine sichere Pension habe und auch nicht irgendeinen Arztbesuch versäumen muss wegen der Praxisgebühr. Wenn ich Angst habe, ich verliere meinen Arbeitsplatz, rauche ich wahrscheinlich eher noch mehr. Das heißt, Suchtprobleme haben gerade diejenigen, die in schwierigen finanziellen Situationen leben.»

Quelle:  rhein-zeitung.de

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