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Zehn Euro zum Leben- dafür Erschossen- dann zu den Akten gelegt

23 Jun

Der Tod  weist auf die zunehmend konfliktbeladene Schnittstelle zwischen den „Kunden“ und den Mitarbeitern der Jobcenter hin.  Der Grund: Bei vielen „Kunden“ gehe es inzwischen schlichtweg um die Existenz.

Am 19. Mai hat  Christy Schwundeck, Mutter einer elfjährigen Tochter, hatte dem Vernehmen nach um einen Vorschuss von zehn Euro in bar zum Leben gebeten, die Sachbearbeiterin verweigerte ihr das.Warum?

Zehn Euro zum Leben

Der weitere  genaue Ablauf des Geschehens ist bis heute nicht bekannt.
Es heißt, sie soll ein Messer gezogen haben.
Wurde sie deswegen im Jobcenter von Polizisten sofort mit Bauchschuss erschossen?
Die Staatsanwaltschaft hat wie immer in der Hartz IV-Praxis den Fall zu den Akten gelegt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft
hat es sich bei den tödlichen Schüssen auf die Hartz IV Frau um »Notwehr«  gehandelt.

Doch die Frankfurter Aktivisten schenken dem keinen Glauben.
Durch Beamte zu tote gekommene Hartz 4 Empfänger sind keine Einzelfälle mehr
Sie fordern….Der Fall solle vor Gericht geklärt werden.

 Sie sehen mehr Fragen als Antworten:

»Warum  wird akzeptiert,
dass zwei bewaffnete und ausgebildete Polizisten
eine Frau mit einem Messer nicht entwaffnen,
sondern direkt erschießen? «,
»Christy Schwundeck ist nur deswegen ausgerastet, weil man ihr nicht geholfen hat, und nicht, weil sie betrunken oder bösartig gewesen wäre«,

Dass der Konflikt derart eskalieren konnte, will nicht einleuchten.

»Es entsteht der Eindruck,
dass der tödlich geendete Konflikt fahrlässig provoziert wurde. «

Sozialberater Roman Thilenius fordert ein Ermittlungsverfahren

gegen die Behördenleiterin Claudia Czernohorsky-Grüneberg.
Diese hatte Anfang Juni erklärt, die Barauszahlung wäre eigentlich möglich gewesen.

»Das Drama hätte wahrscheinlich verhindert werden können, wenn man die existenzielle Not von Christy Schwundeck ernst genommen hätte«, meint auch Martin Behrsing vom Erwerbslosen Forum Deutschland. »Immerhin stand die Frau schon viele Tage ohne einen Cent da, und Geldüberweisungen der Jobcenter dauern bekanntlich mehrere Tage. « Daher müsse die Leistungsgewährung generell vereinfacht werden, fordert Behrsing.

Viele Gruppen fordern neue Untersuchung, warum die Polizei eine Erwerbslose mit Bauchschüssen tötete

Knapp fünf Wochen nachdem die Polizei eine Hartz-IV-Empfängerin in einem Jobcenter erschoss, formiert sich eine Solidaritätsbewegung, die lückenlose Aufklärung sowie personelle und politische Konsequenzen fordert.

Erwerbslosengruppen und Vereine von Menschen afrikanischer Abstammung wollen den Tod von Christy Schwundeck nicht abhaken. Die in Nigeria geborene 39-Jährige war am 19. Mai in Frankfurt am Main in einem Jobcenter von Polizisten erschossen worden. Am Sonnabend zog eine Demonstration mit etwa 350 Teilnehmern durch die Frankfurter Innenstadt. Sie fordern, lückenlos zu rekonstruieren, was an diesem Tag geschah.

Dass sich einzelne Polizisten und Sachbearbeiter in der Verwaltung diskriminierend gegenüber Menschen mit dunkler Hautfarbe verhalten, steht für Bernhard Walch von der »Initiative Christy Schwundeck« außer Frage. »Ob das auch hier vorgelegen hat, wissen wir nicht«, sagte er gegenüber ND. Auch Frankfurter Stadtverordnete der LINKEN fordern Aufklärung. Sie wollen von der Stadtverwaltung, die die Hälfte der Mitarbeiter in den Jobcentern stellt, wissen, wie es zu der tragischen Tötung kommen konnte.

Die seit 16 Jahren in Deutschland lebende Christy Schwundeck hatte längere Zeit in Aschaffenburg gewohnt und gearbeitet und dort als Aufstockerin ergänzend Hartz IV bekommen. Erst vor kurzem war sie nach der Trennung von ihrem Mann mit ihrer elfjährigen Tochter nach Frankfurt gezogen. Weil sie dort nicht gleich eine günstige Wohnung gefunden hatte, übernachtete sie zunächst bei Bekannten und war deshalb als Wohnungssuchende Erwerbslose beim Jobcenter Frankfurt-Gallus geführt worden. Dort hatte Schwundeck am 19. Mai dem Vernehmen nach um einen Vorschuss von zehn Euro in bar gebeten, den die Sachbearbeiterin ihr verweigerte. Auch heißt es, sie soll ein Messer gezogen haben. Der genaue Ablauf des Geschehens ist bis heute nicht bekannt.

Quelle:neues-deutschland.de

Eine Psychologin, die selbst in den Hartz IV-Bezug geriet, analysierte ihre eigene Situation wie folgt:

Arbeitslosigkeit ist eine Art Dauerdämpfung, die krank machen kann. Zu dem ganz konkreten materiellen Existenzdruck kommt die zermürbende Reaktion der Gesellschaft, dieses Verleumden und diese Schuldzuweisungen. Hartz IV – das ist eine völlig neue Qualität von Belastung. Ich bin sicher, dies führt zu somatischen und psychischen Erkrankungen.

Zwar sind die psychischen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit seit der berühmten Studie über die „Arbeitslosen von Marienthal“ durchaus sozialwissenschaftlich erforscht, doch was Maßnahmen wie Hartz IV in modernen Gesellschaften emotional für die Betroffenen bedeutet, wird oft mit funktionalistischen Ansätzen übertüncht. Da werden Bewerbungstraining und Arbeitsbereitschaft eingefordert, doch nach den mit Langzeitarbeitslosigkeit verbundenen Gefühlen der Wut, Scham, Angst und Ohnmacht wird in den Jobcentern und den Expertisen des Bundessozialministeriums nicht gefragt.

 

 

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