RSS

Angela Merkel – IN DER GUTTENBERG-FALLE

28 Feb

Angela Merkel – IN DER GUTTENBERG-FALLE

Angela Merkel und Horst Seehofer
mussten sich eingestehen:
Sie sitzen in der Guttenberg-Falle.
Die Angst, den aristokratischen Ex-Doktor
einfach vor die Tür zu setzen, ist viel zu groß.

Eines der großen Worte der deutschen Sprache ist das Wort Enttäuschung.
Es beschreibt zwei Vorgänge zugleich:
Jemand hat sich getäuscht, täuschen lassen, und muss neben der schmerzlichen Einsicht, dass die Wahrheit eine andere ist als geglaubt, die Frage an sich richten:
Wie hat dir das passieren können? Wie konntest du so blind sein? In der Union kann man jetzt, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, das Wort Enttäuschung hören.
Vordergründig gemeint ist damit die Nachricht, dass Karl-Theodor zu Guttenberg weite Teile seiner Doktorarbeit abgeschrieben hat.

Doch der wirklich bittere Teil der Erkenntnis ist für die Union die Einsicht in die Selbsttäuschung. Die so arg gebeutelte, in eine Koalition mit der FDP gezwungene CSU, aber kaum weniger die gegen den Ansehens- und Wählerverlust kämpfende CDU hatten sich vor zwei Jahren, als Guttenberg über Nacht zum Star aufstieg, der Illusion hingegeben, nun müssten sie gar nichts mehr ändern an ihren Inhalten, ihrem Zusammenspiel, ihrer Attraktivität, denn nun hätten sie ja die Lösung für all ihre Probleme in einer einzigen Person gefunden. Die Strategie der Union für den Bundestagswahlkampf 2009 hieß denn auch im Wesentlichen: Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Union machte Guttenberg zu ihrer Geisel, ob er wollte oder nicht.

Guttenbergs Kritiker verstummten

Er wollte. Und wie. Kein Foto war zu verwegen, kein Auftritt zu glamourös, kein Umgang mit dem Rest der Regierung zu nassforsch. Opel-Rettung? Könnt ihr vergessen! Stabilisierungseinsatz in Afghanistan? Ihr seid doch nur zu feige, Krieg zu sagen! Wehrpflicht? Weg damit! Zwischendrin wurden noch die Grundsätze der Personalführung in einem Ministerium geschleift (Schneiderhan und Wichert), das Bonn-Berlin-Gesetz in Frage gestellt, eine Ausnahmeregelung beim Sparen durchgedrückt. Und so weiter.
Angela Merkel und Horst Seehofer haben alles zugelassen. Ein Knurren hier, ein mahnendes Wort da, aber niemals ernsthafter Widerstand. Anfangs sagte der eine oder andere Minister hinter vorgehaltener Hand noch mal etwas Kritisches, weil Guttenberg die Leidensfähigkeit seiner Kabinettskollegen zu sehr strapazierte. Doch je beliebter er wurde, je stabiler er in den Umfragen vor der Kanzlerin rangierte, desto mehr verstummten auch diese vorsichtigen Kritiker. Der Ruf Guttenbergs, ein politisches Jahrhundertereignis zu sein, das selbstverständlich fürs Kanzleramt taugt, rührte ja nicht zuletzt daher, dass er die Kanzlerin und ihre Regierung vorführte. Der junge Mann aus Oberfranken hatte den Spieß längst umgedreht. Nicht mehr er war Geisel der Union, sondern er hatte CDU und CSU zu seinen Geiseln gemacht.

Selbst im Niedergang ist er noch der Größte

Spätestens am 16. Februar mussten Angela Merkel und Horst Seehofer sich eingestehen, dass sie in der Guttenberg-Falle sitzen. An diesem Tag wurden die Plagiatsvorwürfe gegen den Verteidigungsminister bekannt. Aus ein paar dürren Zitaten wurde in rasender Geschwindigkeit eine politische Sturmflut. Sogar wenn er sich selbst versenkt, legt Karl-Theodor zu Guttenberg noch ein Tempo vor, das den Rest der Truppe als lahme Enten erscheinen lässt. Selbst im Niedergang ist er noch der Größte.

Und die Union? Die starrt fassungslos auf das, was ihre einstige Geisel mit ihr macht. Wenige Wochen vor der für die CDU so wichtigen Landtagswahl in Baden-Württemberg ist die Angst, den aristokratischen Ex-Doktor einfach vor die Tür zu setzen, viel zu groß. Das Umfragevolk hat längst seine grollende Stimme drohend gegen Berlin erhoben. Wage es, unserem Liebling ein Haar zu krümmen, dröhnt es in Richtung Kanzleramt, und der Wahltag wird schrecklich enden!

Zwischen Skylla und Charybdis

Angela Merkel ist so verängstigt, dass sie intellektuelle Babynahrung der dünnsten Sorte verteilt. Sie habe Guttenberg nicht als wissenschaftlichen Assistenten, sondern als Minister berufen. Daher genieße er weiter ihr Vertrauen. Seehofer traut sich nicht mal mehr, ein Buch über Guttenberg vorzustellen, weil er Angst hat, die Plagiats-Debatte zu befeuern, die natürlich längst eine Debatte über die politische Zukunft des Verteidigungsministers ist. Prominente Talkshows, an denen Minister sonst gern teilnehmen, finden niemanden von Gewicht mehr, der bereit ist, Guttenberg vor laufender Kamera zu verteidigen.

Angela Merkel schlingert zwischen Skylla und Charybdis hindurch. Hält sie an Guttenberg fest, vermeidet sie die Attacken der Parteifreunde aus Baden-Württemberg. Vielleicht kann dort die CDU noch die Wahl gewinnen, vielleicht sogar mit Hilfe des Wählermagneten Guttenberg. Senkt sie jetzt den Daumen über dem Verteidigungsminister, riskiert sie zwar das Wutgeheul aus dem Südwesten, aber sie schützt den längst bröckelnden Ruf der Union als Hüterin bürgerlicher Werte, zu denen es gehört, geistiges Eigentum nicht zu stehlen. Am Ende könnte das langfristig wichtiger sein für den Erfolg der CDU als eine Landtagswahl.
Das muss Angela Merkel entscheiden. Wenn sie es nicht schon entschieden hat.

Von Eckart Lohse: www.faz.net
Wir machen doch auch aus Deutschland ein Plagiat der USA

Mutti ich habe abgeschrieben

Related Articles

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: