RSS

Mit „HARTZ 4-BRÜCKE“ ins absoluten Elend

30 Jan

Die einen stehen im Licht, die anderen sieht man nicht,

lautet eine bekannte Redewendung.

Falsch, denn die anderen sieht man immer mehr:

Es sind die Hartz IV-Arbeitslosen,

die Abgebauten.

Das Leben ist schön für „die da oben“,

für die anderen auf den Abstiegsplätzen ist kein Platz.

Schick ist sie nicht, die Armut. Sie ist teuer, sie hat ihren Preis.

Ich arbeite, also bin ich. Was aber bin ich ohne Arbeit? Armut bedeutet für viele ein Leben mit Alkohol, Fernsehen, schlechtem Essen und Stillstand. Es geht eine Charakterveränderung vor sich, eine gesellschaftliche Deformation – man ist scheinlebendig. „In dem Moment, wo ich merke, ich will arbeiten, kann aber nicht, kommen Fragen und ich muss, auch gegenüber meinen anderen Familienmitgliedern vertreten, warum es so ist“, und zwar in einer Form vertreten, in der ich auch nicht schuld bin – was objektiv meist auch der Fall ist. Über die Frage, wer eigentlich schuld sei an der eigenen Arbeitslosigkeit, entwickelt man dann Gesellschaftsbilder, in der Feinde auftauchen oder man entwickelt vielleicht sogar Gesellschaftsbilder, die in so etwas wie Fatalismus übergehen, nach dem Motto
‚Ich kann sowieso nichts ändern‘ – denn das ist die Erfahrung, die man macht.

Wie einem Hoffnungslosen von Zukunft erzählen?
Jenem, der schon lange nicht mehr zur Wahlurne geht.
Das ordnende Schema, das dem Tag eine Ordnung, eine Struktur gibt, ist verloren.Nicht bei allen, aber bei vielen.

Stillstand-Scheinlebendig?

Die Richtungslosigkeit desorientiert den Menschen psychisch und sie zerstört ihn langfristig, denn er verliert jedes Zeitgefühl. Vereinzelung befördert den Verlust des Rahmens. Man baut sich dann einen Lebensstil, der diffus ist, zerfließt und nur noch rezeptiv ist. Man fließt dann so in den Tag hinein und ist auch geneigt, Dingen ohne einen Zeitrahmen nachzugehen, wie zum Beispiel sich vor den Fernseher zu legen und ihn laufen zu lassen. Die sozial Schwachen sehen tagelang fern, sie sind Zuschauer des kaputten Lebens:
Programme der Verwahrlosung – vor und hinter der Mattscheibe.

Die Massenmedien, das Fernsehen, sind das beste Beispiel dafür, keine Anreize, auch keine sozialen Anreize von außen mehr zu bekommen, um sich ein anderes Leben überhaupt vorstellbar machen zu können.Die Machthaber wollen das auch nicht und die Medien sorgen dafür mit Sendungen in der die Konsumenten des Programms selber ins Studio eingeladen werden. Die Menschen, die vormittags und nachmittags diesen Sendungen zusehen, sehen eigentlich sich selber, sie wollen sich selber sehen:
Man sieht leicht Überernährte, welche mit Tettoos und sich nicht richtig Artikulierende.

Man beobachtet gewissermaßen sich selbst – auch das ist ein Teil dieses Verlustes von Werten, von Horizonten. Ein Art Abwehrmechanismus, der einen in kindliche Entwicklungsstufen zurückfallen lässt.

Gerade in einer Lebenssituation, die unbefriedigend ist, tut es mir gut, wenn ich vom Medium in

Zuschauer des kaputten Lebens

Situationen geführt werde, in denen ich sehe, dass es anderen noch viel schlechter geht. Das erreiche ich auch zum Beispiel, indem ich Nachrichten sehe, und zwar besonders diejenigen, die voller Gewalt und Elend sind. Aber natürlich auch Unterhaltungsfilme mit einem hohen Anteil an Gewalt, lösen diese Effekte aus. Wir haben also zwei Motive: Das eine ist das Sich-Zurücklehnen-Wollen, das Umsorgt-Werden-Wollen und das andere ist das Angstlust-Motiv“.

In manch armen Haushalt ist die notwendige Elektronik für Befriedigung dieser Motive eine Art Grundnahrungsmittel geworden. LCD-Fernseher, Handy, usw. demonstrativ wird immer wieder neu konsumiert. Es ist der Wunsch, sich mit Symbolen des Wohlstands zu umgeben, denn „wenn man schon arm ist und in einer Umgebung lebt, die einem das jeden Tag zeigt – zum Beispiel wenn ich die Haustür aufmache, und ich bin in einer 15-stöckigen Wohnlegebatterie mit Graffiti im Flur, abgerissenen Papierkörben und alten Autos vor der Tür zu Hause – dann will ich auch eine Welt haben, in der ich zeigen und erleben kann, dass es mir eigentlich nicht schlecht geht.

„Hartz IV ist kein Lebenszustand,
sagte die Hauptverantwortliche für Sozialgettos und sie hat recht damit.

Nur am zweiten Teil ihrer Aussage,„…sondern eine Brücke zurück in den Arbeitsmarkt,
habe ich so meine Zweifel

STATISTIK GESEHEN PASST ES DANN

Sich Selbstversorgen statt Fürsorge lautet das neue Ziel der Politik. So wurde es im Hinterzimmer beschlossen.

Mit Langzeitarbeitslosen, die sich den oft schikanierenden und manchmal auch menschenunwürdigen Behördenhandeln widersetzen oder meist nur passiv Versäumnisse verschulden, wird nach §31 SGB kurzer Prozess gemacht: Dreimal verkehrt reagiert (Kürzungen: 30-60-100 Prozent, bei unter 25-jährigen reichen bereits zwei VERSTÖSSE) und der Hilfsbedürftige findet sich auf der Straße wieder. Das Sozialgesetzbuch verkommt zum Strafgesetzbuch, die Würde des Menschen wird außer Kraft gesetzt. Nach einem Bericht der Bundeagentur für Arbeit müssen inzwischen knapp 20.000 Langzeitarbeitslose mit zwei und mehr Sanktionen leben.

Tatsächlich sind bei Hartz IV keinerlei Regelungen vorgesehen, die bei einer Leistungskürzung oder dem vollständigen Entzug die möglichen Folgen einer solchen Maßnahme im Auge behält. Hier werden Menschen quasi einfach auf den Müll geschmissen und müssen selbst zusehen, wie sie über die Runden kommen, wenn sie sich „Fehlverhalten“ zuschulden kommen haben lassen. Und wer das aus psychischen oder körperlichen Gründen nicht kann, etwa weil er zu stolz zum Betteln ist?

Was viele nicht wissen (wollen?): Der Hungertod in unseren „sozialen“ Marktwirtschaften ist nicht unbedingt eine Ausnahmeerscheinung. Meistens sind es ältere Menschen, die wegen eines zu geringen Lebensunterhaltes an den Folgen einer Mangelernährung sterben. Dies wird jedoch in den seltensten Fällen publik. Aus Scham, ergänzende Sozialleistungen beantragen zu müssen, durchsuchen sie Nächtens lieber die Mülltonnen nach Pfandflaschen und Essbarem. Nicht nur Politiker schauen gerne weg.

P.S.

Obwohl Deutschland eines der reichsten Länder dieser Erde ist, ist die Armutsgefahr hierzulande besonders hoch. In Deutschland ist fast jeder sechste Einwohner stark Armutsgefährdet. Das Prekäre: In allen europäischen Nachbarländern ist die Armutsgefahr bis auf Polen deutlich niedriger, als in der Bundesrepublik.

 

Bundesverfassungsgericht - Pressestelle -

„Der Gesetzgeber hat bei der Neuregelung auch einen Anspruch auf Leistungen zur Sicherstellung eines unabweisbaren, laufenden, nicht nur einmaligen, besonderen Bedarfs […] vorzusehen, der bisher nicht von den Leistungen […] erfasst wird, zur Gewährleistung eines menschenwürdigen Existenzminimums jedoch zwingend zu decken ist“, heißt es in dem Grundsatzurteil.

Advertisements
 

Schlagwörter: , , , , , , ,

Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: