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Polizeiwagen mit Krimireifer »Kojak-Wende«

05 Jan
Telly Savalas as Lt. Theo Kojak with ubiquitou...

Telly Savalas

35-jähriger Braunschweiger -nach Crash im Koma.
Freunde widersprechen Aussagen von Beamten

Die Staatsanwaltschaft in Braunschweig ermittelt gegen einen Polizisten wegen des Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung. Der Beamte steuerte ein Einsatzfahrzeug, das Mitte Dezember einen Mann überfuhr.
Der 35jährige erlitt bei dem Zusammenstoß lebensgefährliche Verletzungen und liegt seitdem im Koma
.
Während Zeugen schwere Vorwürfe gegen die beteiligten Beamten erheben,
spricht die Polizei von einem »tragischen Unfall«     (wie immer!)

Der Vorfall ereignete sich am 19. Dezember. Wie Braunschweigs Polizeisprecher Wolfgang Klages  schilderte, fuhr der mit zwei Polizisten besetzte VW-Bulli »älteren Baujahrs« am Berliner Platz gegenüber dem Braunschweiger Hauptbahnhof gegen 0.35 Uhr an einer Gruppe Fußgänger vorbei. Ein Mann aus dieser Gruppe habe den Beamten den gestreckten Mittelfinger gezeigt. Der Fahrer habe gewendet, um die Person zur Rede zu stellen. »Das mußte als Beleidigung aufgefaßt werden«, sagte Klages. Unmittelbar nach dem Wendemanöver sei der »vermutlich alkoholisierte« Mann auf die Fahrbahn und seitlich gegen das Polizeifahrzeug gelaufen.

»Der Zusammenstoß erfolgte links vorne am Streifenwagen«, erklärte Klages. Vermutlich beim Sturz auf das Straßenpflaster habe sich der Mann schwerste Kopfverletzungen zugezogen.
Die Beamten hätten den 35jährigen »nicht überfahren oder überrollt«.
Gleichwohl geriet der Mann nach dem Zusammenstoß teilweise unter das Fahrzeug.
Feuerwehrleute mussten den Wagen anheben, damit der Verletzte geborgen werden konnte.
»Mehr als einen Unfall da hineinzuinterpretieren, wäre zumindest fahrlässig«, so Klages.

Ganz anders stellt ein von der Braunschweiger Zeitung zitierter Zeugen die fraglichen Geschehnisse dar. Er war in jener Nacht mit dem Opfer zusammen und spricht von einem Vorsatz der Streifenpolizisten sowie von verschleppten Ermittlungen zu dem dramatischen Vorfall. Nico Buttmann, der Augenzeuge, sagte dem Blatt: »Das Polizeiauto hat unseren Freund frontal erfaßt und überrollt«. Dies hätten vier weitere Zeugen genauso gesehen. Zum Beleg seiner Behauptung führte Buttmann an, daß der Verletzte nach dem Zusammenstoß auf dem Rücken unter dem Bulli lag, und daß er eingeklemmt und bewußtlos war.

Buttmann bestätigte, daß sein Freund den vorbeifahrenden Polizisten den gestreckten Mittelfinger gezeigt hat. »Warum, weiß ich nicht. Diese Darstellung der Polizei aber stimmt«, sagte er. Statt sofort anzuhalten, seien die Beamten aber noch zehn bis 20 Meter weitergefahren und hätten dann eine krimireife »Kojak-Wende« hingelegt: »Wegen einer Bagatelle. Sie haben nicht einen Mörder oder Bankräuber gejagt.«

Das spätere Opfer sei auch nicht in den Polizeiwagen gelaufen, sondern in normaler Geschwindigkeit in Richtung Bahnhof weitergegangen. »Die Polizisten sind bewußt forsch hinter ihm hergefahren und wollten ihn mit dem Auto einfangen«, sagte Buttmann. Nach seiner Darstellung haben sich die Beamten zudem geweigert, vor Ort Aussagen der Begleiter aufzunehmen.

Die Staatsanwaltschaft hat nach Angaben einer Sprecherin inzwischen alle Zeugen vernommen. Jetzt warten die Ermittler auf die Ergebnisse eines rechtsmedizinischen und eines Kfz-Gutachtens. Von deren Ergebnis hängt ab, ob Anklage erhoben wird.

Von Reimar Paul
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