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Die Weihnachtsgeschichte

24 Dez

Die Weihnachtsgeschichte  nach den Regelungen des Sozialgesetzbuches II,

also auf Hartz-IV-Niveau neu erzählt.

Für den Fall, dass Joseph und Maria auf Hartz IV angewiesen wären, hätten sie auf keinen Fall an einem Wochentag aufbrechen können. Schließlich gilt das Prinzip der örtlichen Erreichbarkeit. Erwerbslose müssen jederzeit erreichbar sein und dürfen den Wohnort nur verlassen, wenn sie Urlaub beim Arbeitsamt einreichen. Wer dagegen verstößt, muss mit Sanktionen, also Kürzungen des Regelsatzes, rechnen. Einmal angekommen in Bethlehem, wäre Joseph und Maria tatsächlich nur eine Notunterkunft geblieben, denn Übernachtungen, sei es in der Jugendherberge oder auf dem Campingplatz, sind im Hartz-IV-Regelsatz nicht vorgesehen.

Schafe, Esel und all die anderen netten Tiere, die jede Krippe zieren, sind in der Welt von Hartz IV nicht vorgesehen: Denn das Halten von Haustieren, sei es nun ein Hamster oder der Hund, den man aus dem Tierheim geholt hat, gilt als nicht regelsatzrelevant. Nicht regelsatzrelevant meint: Schwarz-Gelb ist bei der Berechnung der Regelsätze davon ausgegangen, dass diese Ausgaben einem Erwerbslosen nicht zustehen und deshalb nicht in die Neuberechnung des Regelsatzes mit einfließen.

Mit den Gaben der Heiligen Drei Könige ist das so eine Sache in der Hartz-IV-Welt: Gold wäre sofort als Vermögenswert anzugeben und würde angerechnet werden. Ebenfalls angerechnet werden übrigens Vergütungen für Ehrenämter und Darlehen. Wenn die Oma also Geld leiht, damit das Kind ein Fahrrad bekommen kann, verringert dies den Regelsatz.

Myrrhe ist ein Heilkraut, das könnte die Familie nun wahrlich gut gebrauchen. Aber selber anpflanzen kann man Heilkräuter nicht, denn Gartenarbeiten, Zimmerpflanzen und Schnittblumen gelten als nicht regelsatzrelevant. Wer dafür Geld ausgeben will, muss es an anderen Stellen einsparen. Die Frage ist nur – wo? Für Bus und Bahn sind gerade einmal 18,41 Euro vorgesehen. Davon bekommt man selbst in den meisten Städten, in denen es Sozialtickets gibt, keine Monatskarte.

Auch der kandierte Apfel auf dem Weihnachtsmarkt ist nicht vorgesehen, gilt er doch als Essen außer Haus. Der Glühwein enthält Alkohol und wurde schon deshalb vom Hause von der Leyen herausgerechnet. Und wer meint, nun könne man wenigstens einen kleinen Weihnachtsbaum aufstellen, der irrt. Auch dieser wurde von Schwarz-Gelb gestrichen.

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, mit Hartz IV ist aus der Traum!

Steht zu befürchten, dass sich das ganze schöne Fest in Rauch auflöst. Aber ach, Rauchen wurde ja auch aus den »Sozialregelungen« gestrichen …

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